Nicht jede Schwangerschaft macht glücklich
Von admin | 24.Februar 2010
“Meine Schwangerschaft wurde zur schrecklichsten Erfahrung
meines Lebens und ich habe mir mehr als einmal gewünscht, nie
schwanger geworden zu sein.”
Eine Schwangerschaft verläuft häufig nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Dabei wird einem von allen Seiten eingeredet, wie “toll” es ist, schwanger zu sein. Und wenn es dann nicht “toll” ist, traut man sich gar nicht, darüber zu reden und hat ein schlechtes Gewissen, nicht auf Wolke 7 zu schweben.
Diese Seite soll betroffenen Schwangeren helfen, ihren Körper und Geist besser zu verstehen und sich in ihrer “Schwangerschaftskrise” akzeptiert zu fühlen.
Im Folgenden werden Probleme, Beschwerden und Krankheiten aufgeführt, die eine Schwangere belasten können – physischer und psychischer Art.
Zur besseren Übersichtlichkeit die Kategorien unter “Inhalte” anklicken.
Themen: "Nicht jede Schwangerschaft macht glücklich" | Kommentare deaktiviert
Christina – Eine Hyperemesis-Schwangerschaft
Von admin | 2.Januar 2010
Nach 3 Jahren Kinderwunsch (damals aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar) wurde ich mit 21 Jahren im September 2008 schwanger im 7. Zyklus. Ich habe leider zu viel über Kinderwunsch gewusst (meine beste Freundin hatte da auch Probleme) und daher hab ich mich schon seit Beginn verrückt gemacht, ob’s klappen würde.
Dann war ich endlich schwanger im September, einen Monat nach der Hochzeit hatte ich den positiven Test in der Hand. ABSOLUT GEWÜNSCHT! Ich hab von der Schwangerschaft schon 11 Tage nach dem Eisprung durch den Test erfahren! Das war wirklich schön (auch wenn ich dann die Zeit bis zum eigentlich Menstruationstermin abwarten musste, ob alles gut geht…)!
Mir gings erstaunlich gut! Ich hatte zwar so ein Ziehen im Bauch und Rücken, als würde die Periode kommen, aber anders war es trotzdem! Und rechts tat es in meinem Bauch bei Druck immer weh anfangs. Die Hosen konnte ich kaum zumachen deswegen. Aber das legte sich recht schnell nach 2 Wochen.
Ich weiß es noch wie heute. Am Donnerstag bei 5+2 begann die erste Übelkeit. Ganz sanft! Ich habe am Tag davor noch gedacht, dass so ein BISSCHEN Übelkeit ja ok wäre, dass ich überhaupt weiß, dass ich schwanger bin!
Hätte ich mir das bloß nicht gewünscht, dachte ich die Wochen danach! An diesem Tag fuhren wir 600 km zu meinen Eltern und Geschwistern, nur übers Wochenende, um ihnen persönlich von dem kleinen Würmchen zu erzählen. Die Fahrt bekam ich gut rum, die Übelkeit verschwand gegen Nachmittag!
An diesem kommenden Wochenende allerdings wurde sie immer schlimmer. Erst schleichend… immer ein bisschen mehr… Ich konnte kaum mehr Gerüche ertragen, mein Mann stank mir sogar! Er tat mir so leid! Am Dienstag bei 5+6 ging ich dann doch zum Frauenarzt, weil es mir erstens wieder so seltsam im Bauch zog und ich daher Angst hatte, und zweitens die Übelkeit immer schlimmer war, nun schon durchgehend! Man sah direkt das Baby, schon 4 mm groß und mit Herzschlag! Was für ein UNGLAUBLICHES GEFÜHL! Und während dem Termin verschwand die Übelkeit vor Aufregung auch noch ein letztes Mal… Ich habe die Frauenärztin noch gefragt, was ich denn gegen die Übelkeit machen könnte… aber da kamen leider nur Tipps wie “In kleinen Portionen essen”, “vor dem Aufstehen was essen”, etc.
Na gut… ich war ja noch voller Hoffnung, dass es bei NUR Übelkeit bleibt. Meine letzte RICHTIGE Mahlzeit/Mittagessen, die drin blieb, aß ich noch bei IKEA am folgenden Mittwoch – Bauerngulasch! Und das schmeckte so lecker!
Am Donnerstag fuhren wir wieder zurück. Ich war bei 6+2. Und auch dieser Tag ist mir so im Gedächtnis geblieben. Ich stand auf, aß einen Happen zum Frühstück trotz SEHR schlimmer Übelkeit und als wir gerade ins Auto gehen wollten zum losfahren spürte ich es… ich rannte und das Frühstück hatte sich seinen Weg nach draußen gesucht. Das erste Mal erbrochen. Ok… einmal am Tag macht ja nix. Danach gings mir auch tatsächlich besser – für 10 Minuten. Ich holte auf dem Weg noch schnell in der Apotheke Nux Vomica D6 und nahm diese. Am nächsten Tag stand uns noch eine Flugreise bevor zu meiner besten Freundin, die dieses Wochenende heiraten sollte. Ich hab ihr schon vorsichtig geschrieben, dass ich nicht weiß, ob ichs schaffe, weil es mir zusehends schlechter ging. Aber wir hatten uns schon 1 Jahr nicht mehr gesehen, ich wollte so gerne hin. Der Donnerstag ging also rum… irgendwie… und am Freitag flogen wir.
Ich lutschte Nux Vomica, aber es half nicht … Ich erbrach ab da stetig weiter. Über dieses Wochenende hinweg nur 1-3 mal am Tag! Am Rückflug am Montagmorgen wurde es allerdings schon SEHR schlimm. Ich kenne jedes Klo am Kölner Flughafen. Es war schrecklich, alles was rein ging, kam auch direkt wieder raus… an diesem Tag dachte ich das erste Mal, wie schrecklich alles ist!
Daheim verschlimmerte sich das Ganze dramatisch! Ich behielt GARNICHTS mehr bei mir! Mein erster regulärer Arzttermin war aber erst bei 7+2… ich hielt irgendwie durch, wurde immer weniger. Ich nahm stetig ab, dabei wog ich bei Schwangerschaftsbeginn eh nur 51/52 kg auf 1,71 m verteilt. Ich wurde auch immer schwächer und wollte nicht mehr. Beim Arzttermin dann musste ich erstmal Urin abgeben und ging dann rein zur Untersuchung. Die Ärztin schrieb mir direkt eine Einweisung ins Krankenhaus. Ich hab noch gesagt, dass ich nicht sicher bin, ob ich echt gehen soll und sie meinte nur, ich solle mal lieber gehen und mich da erholen. Da hatte sie noch nicht mal die Urinwerte gesehen. Denn die waren schon so schlecht, dass eh kein Weg ums Krankenhaus mit Infusionen geführt hätte. Ich wäre daheim schlicht und einfach vertrocknet. Der Acetonwert war schon sehr hoch…
Im Krankenhaus wurde ich an Infusionen angeschlossen, aber wirklich lieblos und auch nur mit NaCl und Glukose. Man schob es eher auf die Psyche, ich sollte doch bitte so wenig Besuch wie möglich bekommen, mein Mann solle nicht so oft (NACH DER ARBEIT!!!) kommen, denn wenn ich spreche wäre das schlechter für mich. Aha… Ich bekam Buscopanzäpfchen. Die sollten dagegen helfen??? Was passierte war ZUSÄTZLICH Durchfall und Kopfweh ohne Ende, ich dachte mir platzt der Kopf. Auf meine Nachfrage, ob ich vielleicht was gegen das Kopfweh bekommen könnte hieß es, man gebe Schwangeren ungern Schmerzmittel. Also bekam ich nichts. Ich habe auf eigenen Wunsch hin das Buscopan abgesetzt, es half ja eh nicht. Geweckt wurden wir immer um 7 Uhr morgens und das nicht gerade feinfühlig. Direkt aufstehen, damit Betten gemacht werden konnten. Dabei konnte ich kaum stehen. Zum Essen sollte ich mich ZWINGEN. Die Schwestern waren rigoros. Wenn sie sahen, dass ich noch nicht wirklich was gegessen hatte (ich KONNTE nicht, wenn ich mich zwang kams raus und übel war mir auch so unendlich) sagten sie nur, ich MÜSSE essen, sie ließen den Teller noch länger da… Ich aß 3 Löffel… versuchte es. Geschimpft wurde ich trotzdem, weil ja SO WENIG! Ich musste auch immer Bericht abgeben, wieviele Tassen Tee ich schon getrunken hatte… dazu noch meine Schwiegerfamilie, die es nicht fuer nötig hielt mich mal einmal zu besuchen, obwohl sie alle Zeit hatten und teils sogar in der Stadt arbeiten(und das, obwohl ich grad vor ein paar Monaten erst in dieses andere Land gezogen war)…Ich habe mir nur noch gewünscht nach Hause zu dürfen. Dieser Wunsch war so stark, dass ich 2 oder 3 Tage zwischendurch nicht mehr erbrach. Als ich nach 5 Tagen TÄGLICHEM WIEGEN um 7 Uhr morgens nach dem “Aus-dem-Bett-geworfen-werden” nicht mehr abnahm, durfte ich gehen. Da war der Acetonwert auch wieder bei 0. ICH WAR SO FROH!
Leider hielt das alles nicht lange an. Ich war daheim und es ging von vorne los. Immer wieder und immer öfter das Erbrechen. Ich weiß nicht, wie oft, aber ich weiß, dass NICHTS drin blieb. Schon 4 Tage später hatte ich keine Kraft mehr und weinte wieder mal, weil ich nicht mehr konnte. Ich weiß noch einen Abend, an dem ich mich wieder erbrach und ich weinend über der Kloschüssel hing, da setzte ich mich daneben, auf den Boden, und weinte. Ich betete zu Gott (ich bin Christin), nein ich SCHRIE, LAUT(!), dass er dem ein Ende setzen soll. Entweder er holt mich jetzt zu sich oder er macht, dass die Übelkeit aufhört! (Mein Kind wollte ich nie hergeben! Ich hab ihm immer gut zugeredet, dass ich es liebe und ich weiß, dass es nix dafür kann; dass nur mein Körper “schuld” ist!) Ich konnte nicht mehr! Ich war verzweifelt und sah den Rasierer auf dem Schränkchen! Ein kleines Gefühl in meinem Kopf sagte mir, es wäre sicher schön, einfach die Adern aufschneiden und nix mehr spüren… getan habe ichs nicht… Aber ich war verzweifelt. Wenn ich das heute so schreibe, dann frage ich mich oft, wie es so weit kommen konnte. Ich bin ein sehr fröhlicher, optimister Mensch. Selbst in schlimmsten Situationen versuche ich noch das Positive zu sehen, Lösungen zu finden! Aber damals…
Meine Eltern, meine Schwiegereltern, meine Familie, meine Verwandten und Bekannten – keiner verstand es! Alle dachten ich stelle mich extrem an! Und dass ich mal nicht so negativ denken sollte! Das würde schon wieder aufhören nach den ersten 3 Monaten! Irgendwann SCHRIE ich nur noch zurück, dass sie das nicht wissen können! Ob sie es mir wohl versprechen, dass es aufhört und ich SIE dann dafür verantwortlich machen kann, dass dem nicht so ist! Sogar meine Mutter, die selber 5 Kinder hat und in jeder Schwangerschaft extreme Übelkeit durchmachte verstand mich nicht. Sie hatte auch keine Hyperemesis… und ich weiß nun, dass KEINER, der es nicht mitgemacht hat oder bei anderen DIREKT miterlebt hat, es verstehen kann oder nur ansatzweise nachvollziehen! Bis heute versteht nur mein Mann, wie schlecht es mir wirklich ging, obwohl ich offen damit umgehe und klar sage, dass ich Selbstmordgedanken hatte, depressiv war!
Mittlerweile war ich in der 12. Woche angelangt und hatte die Seite www.hyperemesis.de empfohlen bekommen! SUPER! Ich hab geweint wie noch nie, ENDLICH jemand, der dasselbe durchgemacht hatte! Die ganzen Berichte und Erfahrungen… es tat so gut!
Trotzdem gings mir übelkeitsmäßig nicht besser. Ich war dem Tod immer näher als dem Leben! Ich wog nur noch 45 kg.
Es war Donnerstag glaube ich… meine Mutter hatte mir Vomex Retardkapseln aus Deutschland geschickt. (Ich wohnte im Ausland.) Ich hatte sie darum gebeten. Meine Schwester hat die auch genommen und durch die HG Seite hab ich die Tabletten als DAS WUNDERMITTEL empfunden… Ich nahm eine Tablette… ich beherrschte mich 60 Minuten… dann kam alles wieder raus. Ich sah die aufgegangene Kapsel mit den kleinen Kügelchen im Eimer schwimmen. (Ich schaffte es mittlerweile nicht mehr bis zum Klo.) Mein Mann kam gerade nach Hause von der Arbeit, wieder mal war sein erster Gang den Eimer zum Klo zu tragen.
Er tat mir bei alledem auch noch leid. Und ich sagte ihm, dass es so nicht mehr ging, ich müsse wieder ins Krankenhaus. Meine Mutter rief an, um wegen den Tabletten nachzufragen. Ich sagte ihr alles und sie machte sich das erste Mal ernsthaft Sorgen und wollte auch, dass ich ins Krankenhaus gehe.
Mein Innerstes war am Nullpunkt angelangt. Diese so gewollte Schwangerschaft wurde für mich zu einem todesnahen Trip…
Außerdem hatte ich ziemlich Angst… nicht wieder in DAS Krankenhaus… NEIN! Ich musste außerdem erst zum Hausarzt eine Einweisung holen. Ich sagte ihm, dass ich bitte in die Hauptstadt will, ist eine Stunde von uns entfernt, in die Uniklinik. Er schrieb mir den Wisch aus und wir machten uns auf den Weg. Zwischenzeitlich informierten wir den Onkel meines Mannes, der Kinderarzt ist und auch an der Uniklinik arbeitet. Er sollte mit uns mitkommen, evtl. Beziehungen spielen lassen. Er konnte zwar nicht helfen, aber er zeigte uns, wo alles ist! So mussten wir wenigstens nicht suchen. Auf der einstündigen Fahrt merkte ich aber, dass wohl ein paar der Vomexkügelchen, die in der Kapsel waren, dringeblieben sein mussten, denn ich wurde müde und ich konnte an einem Apfel knabbern… Aber nennenswerte Erleichterung kam nicht auf. Vielleicht empfand ich das auch nur so, weil ich wusste, ich bekomme endlich wieder Hilfe…?
Im Krankenhaus wurde ich erst untersucht, dem Baby gings gut! (Aber wecken lassen wollte es sich nicht!
) Mir wurde Blut abgenommen, sitzend… ich fiel fast noch um. Der Arzt war noch ganz jung und sehr nett, der erste, der mir MUT zusprach! Er gab die Anweisung nicht nur NaCl und Glukose zu geben, sondern VITAMINE reinzumischen! ICH WAR SO DANKBAR! Ich wurde auf Station aufgenommen und schon die Aufnahme ging ganz anders von statten! Mir wurde gesagt, ich muss NICHT trinken und essen, ich soll mich nicht zwingen, denn das bringt nichts! DANKE! Ich bekäme ja eh alles per Infusion, was ich brauche! Es war schon spät und mein Mann musste leider nach 5 Minuten gehen (strenge Besuchszeiten gibts hier leider in den Krankenhäusern schon). Er hatte ja auch nun immer über eine Stunde Fahrtzeit zu mir. Die Infusion lief durch und ich fühlte mich nach den Vitaminen (übrigens Giftgrün) schon besser, frischer irgendwie. Ich schlief ein… in der Hoffnung, es würde besser werden. Am nächsten Tag erbrach ich wieder direkt… aber die Infusionen liefen und ich musste sogar wirklich wieder pieseln. Das kannte ich ja garnicht mehr. Aber das zeigte mir, dass endlich wieder Flüssigkeit durch mich durchkam und nicht oben raus!!! Ich war so dankbar, allein schon dafür, dass ich da nicht als psychisch krank abgetan wurde.
Sie wollten mir wieder Buscopan geben. Ich habe erklärt, dass ichs nicht möchte. Dass ich davon höllische Kopfschmerzen bekomme und Durchfall von Zäpfchen. Die Ärzte waren ratlos… sie kennen hier nix anderes gegen Schwangerschaftsübelkeit. Ich hätte verzweifeln können… Am Abend zuvor lag ich noch wach im Bett und dachte wieder dran, wie es wohl wäre einfach aus dem Fenster zu springen, wenn keiner hinsieht… Die Vomex hatte ich mitgenommen und traute mich am nächsten Tag die den Ärzten bei der Visite zu zeigen… sie hatten sowas nicht, nicht mal den Wirkstoff. Ich sollte sie probieren zu nehmen (dabei hätte ich sie so gern intravenös bekommen, damit ich sie nicht erbrechen kann!). Es war Samstag, mein Mann war bei mir und auch er ermutigte mich, dass ichs nochmal versuchen soll. Also schluckte ich eine und versuchte nicht zu spucken. Ich schloss einfach die Augen und sagte mir, dass ich nun einschlafen muss. Und ich tat es, ich schlief ein. Ich schlief zu der Zeit eh sehr viel, ich hatte keine Kraft was anderes zu tun. Nach 3 Stunden wachte ich auf… Mein Mann saß neben mir, las in der Zeitung. Und ich dachte ich bin im Himmel! DIE ÜBELKEIT WAR SO GUT WIE WEG! Unterschwellig natürlich da, aber SO wenig wie seit WOCHEN nicht mehr. Und dann… dann Aß ICH!!! Ich aß eine ganze ORANGE! Ich hatte so Hunger darauf, die gabs an dem Tag als Nachtisch beim Mittagessen. Ich hatte sie ins Nachtschränkchen gepackt.
Ich werde mein Leben lang nicht vergessen, wie die beste Orange der Welt geschmeckt hat! 
Ab da gings dann erstmal aufwärts. Meine Urin- und Blutwerte wurden wieder besser, da ich jetzt auch trotz Infusionen noch essen anfangen konnte und trinken. Ich nahm Vomex 3 mal am Tag, morgens und nachmittags und abends. Immer nach 8-10 Stunden ca, da sie 2-3 Stunden brauchten, um zu wirken und die alte Wirkung aber so nach 6-9 Stunden nachließ.
Meine Schwiegerfamilie kam wieder nicht, nur 2 Tanten (TANTEN!!! Nicht mal die Schwiegermutter!). Ich fühlte mich allein gelassen und das ist bis heute so geblieben, diese Erfahrung hat sich tief verankert…
Leider musste ich auch in dem Krankenhaus noch einige schreckliche Sachen miterleben! Links neben mir lag eine junge Frau mit Zysten, noch eine mit einer Fehlgeburt nach künstlicher Befruchtung und rechts neben mir lag ein junges Mädchen mit einer Spätabtreibung in der 18. Woche, bei der wir “live dabei waren” (sprich: Ihr wurde im Untersuchungsraum das Wehenmittel gelegt und die Tabletten verabreicht, und im Zimmer musste sie dann die Wehen veratmen und da platzte ihr auch die Fruchtblase, als ich gerade am Klo war vor der Entlassung…). Es war einfach grausam. Als obs einem nicht schon schlecht genug ginge!
Ich wurde dann GOTT SEI DANK abgeholt, ich war so dankbar nicht noch mehr mitzubekommen! Und wir fuhren direkt AUF MEINEN WUNSCH hin bei McDonalds vorbei!
Dass ich sowas wieder essen konnte war damals ein Weltwunder für mich!
Daheim gings dann 2 Wochen gut… auf einmal aber fing ich wieder das Erbrechen an. Erst nur morgens, dann wieder auch nachmittags… aber ich nahm die Vomex brav weiter… meine einzige Hoffnung. Es blieb bei dem Erbrechen 2-3 mal täglich! Ich war zwar wirklich niedergeschmettert, aber konnte damit leben! Mir ging es psychisch so viel besser! Ich glaube mein Mann war dabei am dankbarsten!!! (Wenn man ihn heute auf die Schwangerschaft anspricht, dann sagt er oft gern, dass er anfangs schon immer “nett” begrüßt wurde, wenn er den Eimer nach der Arbeit direkt ins Bad tragen musste!) Aber wir haben es überstanden, gemeinsam! Ich bin ihm so dankbar!
Dank Vomex kam ich also ab der 12./13. Woche immer besser klar. Ab da hab ich auch das Mäuslein spüren können, so früh. Die Ärztin hat es mir bestätigt, weil ich eh so dürr war… In der 17. Woche fingen dann auch richtig feste TRITTE an! Wir waren da über Weihnachten zu Besuch bei meiner Familie und ich versuchte die Vomex abzusetzen… es ging nicht. Ich fing wieder an mit Erbrechen. Also hab ich sie wieder schnell genommen. Aber ich konnte auf 2 am Tag reduzieren!
Eine noch 3 Stunden vor dem Aufstehen, damit sie bis dahin wirkt, und eine dann gegen späten Nachmittag! So ging es recht gut! Ich war so dankbar!
Es gab immer wieder Rückfälle. Mal bessere Tage ganz ohne Erbrechen und dann wieder schlimmere Tage, wo ich 5 mal erbrach. Es wechselte sich ab. Nach der 25. Woche wurde das Erbrechen immer weniger. Ich hab damals dann übrigens dann allen gesagt, wie unrecht sie hatten, dass es schon “nach den ersten 3 Monaten aufhört”. Und das halte ich ihnen auch heute noch vor, wenn es um die Schwangerschaft geht, denn es hat mich sehr verletzt, dass ich nicht ernst genommen wurde. Nicht mal nach der 13. Woche!
Das Schlimmste war noch meine Schwiegermutter, die dann zu allem übel –wortwörtlich – auch noch an einem Tag beim Essen bei Ihnen meinte, ich würde einfach zu viel an die Übelkeit und das Spucken denken. Wenn ich nicht mehr dran denken würde, dann würde es auch aufhören! Ich war so empört, da ich gerade an diesem Morgen noch fast nebens Bett gebrochen hätte und nur GRAD SO den Eimer hergezogen hatte in letzter Sekunde. Mein Mann schrie sie an, was sie sich denken würde sowas zu sagen, als ob ich gern erbrechen würde. Und ich sagte dann eiskalt, dass ich sicher heute morgen im Schlaf schon ans Kot*en gedacht habe und daher direkt nach dem Augenaufschlag dies getan habe. Ich stand auf und ging in unsere Wohnung (über den Schwiegereltern). Wie sehr mich das aufgeregt hat, brauche ich wohl nicht erläutern…
Zum guten Schluss wollten wir in der 37. Woche noch einmal meine Familie besuchen. Eine Entbindung in Deutschland wollte ich auch viel lieber, also hoffte ich schon insgeheim, dass die Wehen dann beim Besuch losgehen! Meine Vomex gingen mir genau 2 Tage vor der Abreise aus und die Packung, die auf dem Weg zu mir war per Post kam nicht an… sie kam erst eine Woche später habe ich im Nachhinein erfahren. Ich stand da und hoffte, dass es nun sicher geht… erst schien auch alles so, aber dann spuckte ich doch wieder. Erst nur am Abend, am nächsten Tag wieder zweimal. Und am dritten Tag war Abreise. Ich habe nicht gespuckt, sondern es mit Homöopathie nochmals versucht, diesmal Ipecacuanha. Und es half. Ich kam die erste Woche damit klar. Ich spuckte nicht mehr!!!!!!!! EIN WUNDER WAR GESCHEHEN! Und: Die Wehen gingen tatsächlich los!
Leider waren es keine Geburtswehen, sondern “nur” geburtsvorbereitende Wehen, die den GMH verstreichen ließen und den Muttermund LANGSAM, aber sicher öffneten! Also blieb ich in Deutschland, mit dem Befund wollte ich nicht mehr losfahren, mir kams ja eh recht! Mein Mann musste leider zurück, arbeiten. Ich hatte 2 Wochen durchgehend diese Wehen, mal stärker, mal schwächer. Und dann gings an einem Dienstagmorgen los. Um halb 4 Uhr nachts wurde ich wieder mal von den Wehen wach, diesmal waren sie stärker. Ich dachte noch, das ist wieder Fehlalarm, gab mir selbst ein – ACHTUNG – Buscopanzäpfchen *welche Ironie!*, da das den Muttermund weich macht und Wehen nur dann stoppt, wenn sie unecht sind. Komisch, wie unterschiedlich das Buscopan bei mir eingesetzt wurde!
Ich hatte die Zäpfchen von der Hebamme, die ich mir da noch ausgesucht hatte! Einschlafen konnte ich nicht mehr, also wusste ich, es geht los. Ich ging noch duschen, wollte frühstücken (das ging nicht mehr…) und meine Schwester fuhr mich ins Krankenhaus um halb 9. Meinen Mann wollte ich erst verständigen, wenn ich SICHER dableiben durfte nach 2 Fehlversuchen zwei Wochen zuvor. Wir riefen ihn also direkt um halb 9 an… aber die Geburt ging rasant und um 12.05 Uhr durfte ich meine so ersehnte, erwünschte Tochter im Arm halten. Gesund und munter! 3200 Gramm, 52 cm und 35 cm Kopfumfang!
Mein Mann kam 2,5 Stunden später an! Aber meine Schwester war dabei und mir eine große Hilfe! (Danke an dieser Stelle nochmals!) Sie brachte mir immer wieder Trinken (ich entwickelte einen ungewöhnlich großen Durst) und versorgte mich in den Presswehenpausen mit einem kühlen Waschlappen! DANKE DANKE DANKE!
Mit meinem Mann genoßen wir die ersten Stunden zusammen und seitdem jeden Moment mit allen folgenden Höhen und Tiefen des Elternseins!
Wir sind so dankbar, das alles überstanden zu haben! ES HAT SICH GELOHNT!
Ich möchte allen Frauen Mut machen! Haltet durch, es lohnt sich definitiv! Man bekommt am Ende das schönste Geschenk, selbst wenn man meint, es geht nicht mehr, man kann nicht mehr! ES GEHT! MAN SCHAFFT ES! UND MAN WIRD WIEDER NORMAL, selbst wenn man daran zweifelt (was ich mehr als einmal tat… ich dachte es wird nie mehr normal!)! DOCH, nach der Geburt ist alles weg, verflogen! Wie von Zauberhand! Und man hat das schönste Gottesgeschenk in seinen Armen!
Ich danke noch meiner Familie für die Unterstützung und als letztes möchte ich noch Gott danken, für die schönen letzten Schwangerschaftsmonate, dass ich sie genießen konnte, für die Traumgeburt von innerhalb 3,5 h im KKH (und insgesamt nur 8,5 h) und dass wir eine gesunde Tochter im Arm halten dürfen! Ohne Deinen Segen wäre das niemals möglich und ich danke dir, dass du ihn uns schenkst!
Zu guter Letzt: Wir wünschen uns weitere Kinder, trotz Risiko wieder eine HG mitmachen zu müssen! Das ist doch das schönste Zeichen, oder? 
Themen: Persönliche Geschichten | Kein Kommentar »
Übelkeit/ Erbrechen
Von admin | 23.November 2009
Text folgt
Themen: - allgemeine Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
Verdauungsprobleme
Von admin | 23.November 2009
Text folgt
Themen: - allgemeine Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
Müdigkeit
Von admin | 23.November 2009
Text folgt
Themen: - allgemeine Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
Sodbrennen
Von admin | 23.November 2009
Text folgt
Themen: - allgemeine Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
Rücken-/ Gelenkschmerzen
Von admin | 23.November 2009
Text folgt
Themen: - allgemeine Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
Martina – Ängste und Depressionen in der Schwangerschaft
Von admin | 23.November 2009
Ende September 2007 ging für uns ein Lebenstraum in Erfüllung!
Nach 2 harten Kinderwunsch-Jahren erfuhr ich, dass ich schwanger bin!
Es war ein Gefühl, das ich kaum beschreiben kann – wie frisch verliebt, besser als ein 6er im Lotto!
Das war der Beginn einer Zeit voller Freude, Hoffnung, Spannung,aber auch panischer Angst und Verzweiflung!
Bis zur 12. Schwangerschaftswoche verlief die Schwangerschaft wie jede andere auch. Ich war sehr müde und hätte an Ort und Stelle einschlafen können. Der Geruchssinn veränderte sich, mir war häufig übel, aber alles im Rahmen. Ich war froh,denn schließlich war ich schwanger!
Mein Babylein entwickelte sich prächtig.
Ich weiß nicht, was mir genau plötzlich den Boden unter den Füßen wegzog, aber ich vermute, es fing mit dem Krankenhausaufenthalt in der 13. Schwangerschaftswoche, von
dem ich leider nicht verschont blieb, an.
Eine sehr schwere Zeit begann. Angst machte sich breit, Angst um mein Baby, Angst um die Zukunft, Angst um meine Familie!
Nach einigen Tagen hatte ich Gewissheit, meinem Kind geht es gut, es ist alles ok, ich darf nach Hause!
Voller Hoffnung versuchte ich wieder den Alltag zu bewältigen ,wie ich es zuvor auch gemacht hatte, aber etwas in mir ließ mich nicht mehr zur Ruhe kommen. Ich war nervös, ich war traurig, ich war wie gelähmt vor Angst! Ich sagte mir immer wieder, ich soll doch glücklich sein, doch es war nur eine innere Leere zu spüren. Und mit jedem Tag stürzte ich immer tiefer in eine Depression. Ich wusste nicht, was da gerade passiert.
Ständig hatte ich eine Stimme in meinen Kopf – schlimme Gedanken, für die ich mich sehr schämme und die hier nicht auflisten kann.
Wie ein Teufel, der mir ständig die Worte im Mund verdreht und versucht mich zu manipulieren. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, weder beim Lesen, beim Beten, bei meiner Lieblingsmusik, bei einem spannenden Film! Diese Stimme war immer da und quälte mich.
Anfangs kämpfte ich noch dagegen an, aber nach und nach verließ mich meine Kraft! Ich hatte wortwörtlich Angst verrückt zu werden und die Kontrolle über mein ICH zu verlieren. Ich war nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, ohne dass der Teufel in mir seinen Senf dazu gab und mich komplett aus der Fassung brachte. Ich war wie tot!
Die Schwangerschaft wurde zur Nebensache.
Es ging wochenlang so, bis auf meinen Mann wusste keiner etwas davon, es war mir sehr unangenehm und ich wollte nicht, dass mich irgendjemand in dieser Verfassung zu sehen bekommt.
Es verging kein einziger Tag ohne stundenlange Heulkrämpfe ……! Ich war nicht mehr ich selbst!
Im Februar 2008 stieß mein Mann an seine Belastungsgrenze und bestand darauf einen Psychiater aufzusuchen. Ich hatte nichts mehr zu verlieren und willigte hilflos ein.
Das war der erste Schritt aus dem Teufelskreis!
Nach 2 Wochen intensiver Gesprächstherapie und autogenem Entspannungstraining konnte ich mich endlich dem Therapeuten öffnen und fand durch ihn eine Möglichkeit, mit dem Teufel in meinem Kopf umzugehen. Es ist mir nicht gelungen, ihn ganz zum Schweigen zu bringen, aber ich konnte zumindest stark differenzieren, was da zu mir gehört und nicht.
Jeden Tag gewann ich wieder mehr an Lebensfreude und Lebensqualität!
Ehe ich mich versah, war schon April, der Geburtstermin rückte immer näher. Die Vorfreude machte mich glücklich, ich war abgelenkt.
Mein Kleiner war sehr vital und jede Bewegung gab mir Kraft, gab mir das Gefühl wieder lebendig zu sein! Doch das schlechte Gewissen meinem Schatz gegenüber blieb. Er musste so viel mitleiden mit mir!
Heute, fast 2 Jahre später, blicke ich nur ungern zurück, zurück auf die schwere Zeit. Warum konnte ich nicht einfach glücklich sein und die Schwangerschaft genießen wie so viele Frauen? Warum wurde es mir zum Verhängnis?
Eine Antwort werde ich wohl nie darauf bekommen! Nur die Tatsache, ein so wundervolles Kind zu haben, hilft mir diese graue Zeit zu verarbeiten.
Leider ist eine Schwangerschaftsdepression keine Seltenheit und sollte in jedem Fall ernst genommen werden! Keine Betroffene muss sie mit sich selbst ausmachen!
Themen: Persönliche Geschichten | Kommentare deaktiviert
Hyperemesis/ Nausea gravidarum
Von admin | 23.November 2009
Text folgt
Themen: - behandlungsbedürftige Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
(Schwangerschafts-) Depression
Von admin | 23.November 2009
Eine Depression (von lat. deprimere „niederdrücken“) wird definiert als Zustand psychischer Niedergeschlagenheit, der von zeitweiligen Trauergefühlen bis zu völliger Freudlosigkeit und dem Gefühl der inneren Leere reichen kann.
Positive Gefühle können nicht oder nur in stark reduzierter Form empfunden werden.
Merkmale
Folgende Merkmale einer Depression sind sehr häufig:
- Verlust, Freude empfinden zu können und damit verbunden, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit
- negatives Denken, das weder durch Selbst- oder Fremdmotivation vertrieben werden kann
- Grübelzwang, die Gedanken drehen sich durch die negative Denkweise immer wieder im Kreis
- innere Unruhe und/ oder völlige Antriebslosigkeit
- Antriebsstörungen, oft verbunden mit Denkhemmungen, die so weit gehen können, dass elementare Tätigkeiten wie Strukturierung des Tagesablaufs, Körperpflege, Nahrungszubereitung etc. nicht möglich sind
- Schlafstörungen, die von Einschlafschwierigkeiten und frühem Erwachen bis zu übermäßigem Schlaf reichen können. Oft sind die depressiven Symptome vor allem in den Morgen-/Vormittagsstunden stärker ausgeprägt (das sog. „Morgentief“) und nachmittags/abends setzt eine Besserung ein
Häufig treten auf:
- Gefühle der Minderwertigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schuld, Sorge, Überforderung, Hilflosigkeit, Angst, Reizbarkeit, verringerte Entscheidungsfähigkeit
- Desinteresse an der Umwelt und damit einhergehend Selbstisolation
- körperliche Störungen (Vitalstörungen) wie Appetitlosigkeit/ übermäßiges Essen und damit einhergehend Gewichtsab- bzw. –zunahme, „kaltes“ (Druck-) Gefühl in Brust und Gliedmaßen
- erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, verbunden mit einer erhöhten Sensibilität für körperliche Veränderungen
Seltener sind folgende Merkmale:
- aggressive Tendenzen, erhöhte Risikobereitschaft und Reizbarkeit (eher bei Männern als bei Frauen)
- Verstärkung der Symptome gegen Abend, massive Einschlafstörungen („Abendtief“)
Verbreitung
Die Depression ist die weltweit am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. In den westlichen Industrienationen wurde in den letzten Jahren ein rapider Anstieg depressiver Erkrankungen beobachtet. Dafür wird in erster Linie die steigende Beanspruchung der Menschen durch Stress und Unsicherheit durch die persönliche und berufliche Situation verantwortlich gemacht. Zudem ist die Scheu, sich in ärztliche Behandlung zu begeben, gesunken und somit ist die Zahl der registrierten Erkrankungen gestiegen.
Im Laufe der Zeit hat sich die Unterteilung in die Formen endogene, neurotische und reaktive Depression durchgesetzt.
Dabei steht die endogene Depression für eine Form der Krankheit, die ohne erkennbare Ursache auftritt und für die eine genetische Disposition vermutet wird.
Die neurotische Depression tritt als Folge länger andauernder Belastungen auf.
Die reaktive Depression kommt am häufigsten vor und folgt auf ein aktuell kritisches Ereignis, wie z.B. den Tod eines Angehörigen, Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes, Umzug, etc.
Ursachen
Die Entstehung von Depressionen ist noch nicht vollständig geklärt. Da die Krankheit in der Regel multifaktorielle, sehr individuelle Ursachen hat, muss sorgfältig erhoben werden, welche Behandlungsmöglichkeiten für den jeweiligen Betroffenen geeignet sind.
Mittlerweile gilt als wahrscheinlich, dass das erstmalige Auftreten einer Depression die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen stark erhöht. Die Ursachen dafür liegen in chemischen Prozessen im Gehirn begründet, bei denen der Neurotransmitter Serotonin eine große Rolle spielt. Als erwiesen gilt, dass bei jeder Form der Depression das serotonale/noradrenale System gestört ist, was sich durch einen erhöhten Anteil des Stresshormons Kortisol im Blut und Urin von Depressiven nachweisen lässt. Aufgrund des mangelnden Serotoninstoffwechsels ist die Bewältigung von Stress und Angstgefühlen im Sinne einer Herabsetzung gestört, die eine beschleunigte Entstehung depressiver Verstimmung zur Folge hat. Unklar ist aber bisher, ob dies Folge oder Ursache der Erkrankung ist.
Der Einfluss genetischer Faktoren (z.B. des Serotonin-Transportergens 5-HTTLPR) ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings nur als Teilfaktor, denn „das Depressions-Gen“ als alleiniger Auslöser für Depressionen existiert nicht. Zwischen genetischen Faktoren und den Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens im Zusammenleben mit anderen Menschen macht (Erziehung, Sozialisation), bestehen Wechselbeziehungen, so dass ein Kind zwar die Veranlagung zu Depression von seinen Eltern „in die Wiege gelegt“ bekommen haben kann, aber durch seine Erfahrungen und Lernprozesse Strategien entwickelt hat, mit kritischen Lebensereignissen umgehen zu können.
So ist z.B. erwiesen, dass
- das ständige Gefühl, sich übermäßig für etwas zu engagieren und ausgenutzt zu werden
- die Erfahrung, hilflos angesichts persönlicher Krisen zu sein und sich selbst dafür die Schuld zu geben („Ich kann das einfach nicht“ statt „Ich hatte Pech“)
- Überforderungserfahrungen, die schon in der Kindheit gemacht werden – Druck, Erwartungen zu erfüllen
die Gefahr, depressiv zu werden, erhöhen.
Auch der Einfluss von Medikamenten bzw. Erkrankungen wird als Auslöser von Depressionen in Betracht gezogen.
Depression in der Schwangerschaft (präpartale Depression)
Ca. 10% – 20% der Frauen leiden in der Schwangerschaft unter Depressionen, oft aber werden diese aber als Launenhaftigkeit abgetan oder überspielt, da die Betroffene „sich doch freuen muss“. Oft fühlt man sich schuldig, weil man keine Freude empfindet, obwohl man doch eigentlich glücklich sein müsste.
Sicherlich gibt es Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft, jedoch gibt es klare Grenzen zwischen „normalen“ Stimmungsproblemen und einer Schwangerschaftsdepression.
Treffen die o.g. Merkmale einer Depression zu und das über einen längeren Zeitraum, ist es dringend erforderlich, etwas zu unternehmen.
In der besonderen Situation der Schwangerschaft können folgende Merkmale dazukommen bzw. dominant sein:
- extreme Müdigkeit
- Stimmungsschwankungen, wobei die negative Stimmung überwiegt
- Zukunftsängste, wie das Leben mit Kind bewältigt werden kann
- Unvermögen, sich auf das Kind zu freuen und daraus resultierende Schuldgefühle
- Unfähigkeit, nachzuvollziehen, wie man jemals einen Kinderwunsch haben konnte
- Verzweiflung, Gefühl der Ausweglosigkeit, Abtreibungs- und Suizidgedanken
Einen „Normalverlauf“ einer Schwangerschaftsdepression gibt es nicht, allerdings konnte in vielen Fällen ein erster Höhepunkt im ersten Schwangerschaftsdrittel, ein Abfallen im zweiten und ein erneuter Anstieg im dritten Drittel festgestellt werden.
Die Gefahren, eine Schwangerschaftsdepression als „Launenhaftigkeit“ abzutun, liegen vor allem darin, dass keine Maßnahmen wie z.B. eine Psychotherapie und/oder medikamentöse Behandlung ergriffen werden können und die Gefahr einer Fortsetzung der Depression nach der Geburt besteht. Leider „verschwindet“ sie dann oft nämlich nicht, sondern setzt sich bei ca. 50% der betroffenen Frauen als Wochenbettdepression fort. Oft wird erst zu diesem Zeitpunkt deutlich, dass die Depression schon während der Schwangerschaft bestand.
Gründe für eine Schwangerschaftsdepression können sein:
- familiäre oder eigene Depressionen in der Vergangenheit. Die Schwangerschaft macht anfälliger für nicht bewältigte Probleme oder die Rückkehr psychischer Vorerkrankungen
- Veränderungen und kritische Ereignisse wie Umzug, Trennung, Tod eines Angehörigen, Verlust/ Wechsel der Arbeitsstelle, Mobbing, Familienstreitigkeiten etc.
- eine problematische Schwangerschaft, z.B. durch extreme Übelkeit/ extremes Erbrechen, Migräne, ständige Erkrankungen, ständiges Schwächegefühl
- eine angstbesetzte Schwangerschaft. Bei vorangegangener Fehlgeburt/en oder der Ungewissheit, ob die Schwangerschaft intakt ist, können sich Ängste und Sorgen um das Ungeborene in einer Depression niederschlagen. Auch schwangerschaftsspezifische Krankheiten wie Schwangerschaftsvergiftung, Blutungen etc., die körperliche Einbußen und lange Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen, können sich auf die Psyche auswirken
- eine lang ersehnte Schwangerschaft. Blieb der Kinderwunsch lange unerfüllt und handelte es sich vielleicht um eine von vielen künstlichen Befruchtungen, steht die Angst, das Kind zu verlieren, für viele Frauen im Vordergrund und kann eine Depression auslösen.
Behandlungsmöglichkeiten
Text folgt
Themen: - behandlungsbedürftige Schwangerschaftsprobleme | Kommentare deaktiviert
